Winzer & Wein

Mit Herzblut für den Wein: Jungwinzer in Saale-Unstrut

Immer mehr talentierte Jungwinzer und Jungwinzerinnen bringen frische Ideen in die tausendjährige Weinbautradition an Saale, Unstrut, Weißer Elster und Ilm. Im Sommer und Herbst bietet sich die Gelegenheit, ihre Weine in den Straußwirtschaften oder bei Weinfesten zu verkosten.

Manuel Flechtner von der WinzerbarManuel Flechtner von der Winzerbar gehört zu den talentiertesten Jungwinzern in Saale-Unstrut. Foto: Saale-Unstrut-Tourismus e.V., Katharina Albrecht
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Im Winter der Rebschnitt, im Frühjahr die Bodenbearbeitung, im Sommer das Entblättern, im Herbst die Lese: Weinbau ist Fleißarbeit. Trotzdem entscheiden sich auch junge Menschen im Qualitätsweinanbaugebiet Saale-Unstrut für den uralten und naturverbundenen Beruf des Winzers. Was sie eint: Leidenschaft, Experimentierfreude und Traditionsbewusstsein. Im Sommer und Herbst öffnen die Jungwinzerinnen und Jungwinzer ihre Höfe und Straußwirtschaften oder laden zum Verkosten ihrer Weine auf den traditionellen Weinfesten ein. Es sind Gelegenheiten für spannende Begegnungen, zum Beispiel mit diesen Nachwuchstalenten.

Manuel Flechtner von der Winzerbar

Manuel Flechtner ist Winzer in fünfter Generation. Schon der Ururgroßvater bewirtschaftete einen Weinberg bei Naumburg im Saaletal, dort wo einst die Zisterziensermönche die ersten Reben pflanzten. Einige Gutedel-Rebstöcke hier sind 100 Jahre alt! Schon als Kind begleitet der Jungwinzer seinen Großvater in den Steilhang mit den historischen Trockenmauern aus Muschelkalk. Die Leidenschaft für das Handwerk ist geweckt, der Schritt zur Ausbildung als Winzer bei der Winzervereinigung Freyburg die logische Konsequenz. 2011 überträgt der Großvater den Weinberg an seinen Enkelsohn.

Manuel Flechtner ist der erste in seiner Familie, der den Wein nicht nur an-, sondern auch selbst ausbaut. Seine Spezialität: spontan vergorene Weine, die ohne den Zusatz von Hefen auskommen. „Ich experimentiere gern einmal“, erklärt der 34-Jährige sein Motto „Weine wie wir, einfach anders“.  „Wir achten auf Altbewährtes, dabei schlagen wir aber auch neue Wege ein.“

Der Erfolg gibt ihm Recht: Sein Gutedel wird bei der Bundesweinprämierung mit Bronze ausgezeichnet. Unter dem Namen Winzerbar kommen Silvaner, Gutedel, Riesling, Weißburgunder, Dornfelder und Portugieser in ungewöhnlich kleinen Halbliter-Flaschen im modernen, schlichtem Design auf den Markt. Alle sind vegan und umweltschonend hergestellt. Auf Herbizide verzichtet der Jungwinzer. Wildblumen lässt er für die Bienen stehen.

In der Straußwirtschaft unterhalb des romantischen Weinbergs, die am Wochenende in den Monaten Mai, Juni, September und Oktober geöffnet hat, können die Weine verkostet werden. Dazu gibt es hausgeräucherten Käse, selbstgebackenes Brot und Wurst aus der Metzgerei. Auch eine Ferienwohnung hat der Winzer eingerichtet: Hier übernachten bis zu vier Gäste zwischen Reben und Saaleufer.
https://www.winzerbar.com/

Annemarie Triebe vom Wein- und Sektgut Hubertus Triebe

Auch Annemarie Triebe ist schon als Kind durch die Weinberge der Familie gestreift. Die Eltern stürzten sich 1999 als Quereinsteiger in das Abenteuer Weinbau und rebten eine Fläche mit 17 000 Pflanzen an der Weißen Elster bei Zeitz auf. Die Tochter lernt die Arbeit im elterlichen Betrieb lieben und entscheidet sich, selbst Winzerin zu werden. Nach der Ausbildung folgt ein Studium zur Technikerin für Weinbau und Oenologie. Als Gebietsweinkönigin wirbt sie zwei Jahre lang für die Weinbaubetriebe in der Region.

„Wein bedeutet für mich Zukunft, der Zusammenschluss von Tradition und Moderne“, sagt die 28-Jährige. In erster Linie will sie Weine und Sekte herstellen, die beim Genießen Spaß machen. Das Arbeiten im Einklang mit der Natur ist ihr wichtig, auch schätzt sie die klassische Handarbeit. „Viele Arbeiten kann man mit der Hand erledigen“, erklärt sie, „wie zum Beispiel das Entblättern – die Hände arbeiten viel genauer und sind schonender zur Traube als Maschinen.“ Bei Weinwettbewerben wird die Mühe oft durch Spitzenplatzierungen belohnt, wie zuletzt bei der Frankfurt Wine Trophy. Hier gewann ihr „Dornfelder-Weißherbst feinherb“ die Goldmedaille.

Gemeinsam mit ihren Eltern veranstaltet Annemarie Triebe regelmäßig Weinerlebnisabende und Kellerführungen auf dem Hof in Würchwitz bei Zeitz. Das Sabrieren des Sektes, also das gekonnte Köpfen der Flasche mit einem Säbel, gehört zu den spektakulären Höhepunkten eines solchen Abends. Der Hofverkauf mit Sekten und Weinen wie Müller-Thurgau, Ortega, Bacchus, Kerner, Weißburgunder und Chardonnay ist Dienstag bis Freitag geöffnet.
https://weingut-triebe.de

Patrick Gaudig vom Weinhaus Gaudig

Patrick Gaudig ist gerade einmal 20 Jahre alt, als er als jüngster Winzer in der Region einen Weinberg in der Lage Burgwerbener Herzogsberg bei Weißenfels pachtet. Zu dieser Zeit ist er auf einem Naumburger Weingut angestellt. Was zunächst nur als Freizeitvergnügen gedacht war, entwickelt sich schnell zu einem eigenständigen Weinbaubetrieb. Heute baut der 33-Jährige, der sich schon als 13-Jähriger sein Taschengeld im Weinbau aufbesserte, auf über vier Hektar 13 Rebsorten an.

Die sorgfältige Pflege der Reben, die selektive Lese und die langsame Vergärung liegen dem Winzer am Herzen, um die Individualität jeder Rebsorte hervorzuheben. „Jeder Wein erzählt eine Geschichte, die vom Weinberg bis in den Keller geformt wird“, sagt Patrick Gaudig. Sein Ziel: Weine schaffen, die sowohl charakterstark als auch vielfältig sind. Auch er möchte Tradition und Innovation zusammenbringen.

Auf seinem urigen Hof in Kriechau bei Weißenfels, der direkt am Saaleradwerg liegt, schenkt er von April bis Oktober donnerstags bis sonntags seine Weine aus. Dazu gibt es Flammkuchen, Käse und Wurst aus der Region und selbstgebackenen Kuchen. Auch ein kleiner Laden, in dem die Weine, Liköre und Brände des Weingutes verkauft werden, gehört zum Hof. In den Sommermonaten lädt der Winzer an ausgewählten Terminen zu Musikabenden, Weinbergführungen und Weinproben ein.
https://weinhaus-gaudig.de

Tage der offenen Weinkeller und Weinberge

Die Tage der offenen Weinkeller und Weinberge vom 2. bis 4. August bieten die Gelegenheit die Weinregion Saale-Unstrut kennen zu lernen. Winzer entlang der Weinstraße Saale-Unstrut und der Weinstraße Mansfelder Seen laden zu Weinverkostungen ein, führen durch ihre Weinberge und in ihre Weinkeller.

Tage der offenen Weinkeller und Weinberge
2 bis 4. August
www.weinregion-saale-unstrut.de

Weinfeste in Saale-Unstrut

Fröhliche Weinfeste haben auch in Saale-Unstrut Tradition. Zwischen Juni und September, inmitten der aufreibenden Lesezeit, lassen es sich die Winzer nicht nehmen, persönlich vorbeizuschauen, um mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen.

Höfische Weinnacht Weißenfels 2024
15. Juni 2024
www.saale-unstrut-tourismus.de/veranstaltungen/details/hoefische-weinnacht-weissenfels-2024/

30. Thüringer Weinfest Bad Sulza
16. bis 18. August
https://bad-sulza.info/veranstaltung/30-thueringer-weinfest-bad-sulza/

Naumburger Weinfest
23. bis 25. August
https://naumburger-weinfest.de

Winzerfest in Freyburg (Unstrut)
13. bis 15. September
www.freyburg-tourismus.de/weinfeste.phtml

Zeitzer Weinfest
21. bis 22. September
www.zeitz.de

Weitere Informationen zu den Weingütern und Weinveranstaltungen liefert die Webseite des Tourismusverbandes unter www.saale-unstrut-tourismus.de/region/highlights/saale-unstrut-wein/.

Herausgeber:
Saale-Unstrut Tourismus GmbH
Neuer Steinweg 1
06618 Naumburg
T: +49 3445 233790
www.saale-unstrut-tourismus.de

Über Saale-Unstrut:
Saale-Unstrut ist eine hochmittelalterlich geprägte Wein- und Kulturlandschaft, die sich vom südlichen Sachsen-Anhalt bis nach Thüringen erstreckt. Ein weltweit einmaliges architektonisches Erbe aus 1000 Jahren europäischer Geschichte bildet mit malerischen Flusslandschaften, alten Weinbergen, Steilterrassen, Natursteinmauern und Weinberghäuschen ein facettenreiches Nahreiseziel, das anspruchsvolle Wein- und Kulturinteressierte ebenso anzieht wie aktive Naturgenießer. Weltweite Bedeutung erfährt Saale-Unstrut durch das UNESCO-Welterbe Naumburger Dom im Zentrum der Region.